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Simeulue 2

10.10.06
Habe gestern einen erlebnisreichen Tag verbracht. Vormittags war ich auf Fotosafari zu Fuss unterwegs, nachmittags bin ich mit einem Bekannten von Kathi, einem deutschen Wasserbauingenieur mit dem Geländeauto herumgeholpert. Wir haben seine gebauten Wasserleitungen inspiziert und sind dabei natürlich in entlegene Gebiete gefahren, wo nicht einmal noch Kathi war. Die Strassen sind abenteuerlich - voller Schlaglöcher, kurvig und steil, auf und ab. Unterwegs sind überwiegend Motorräder und wenige Geländefahrzeuge und LKWs. Viele der abgelegenen Dörfer haben keinen Stromanschluss sondern nur einen Dieselgenerator, der Strom für TV und den Lautsprecher für den Muezzin erzeugt. Unvorstellbar dieser Gegensatz zwischen der mittelalterlichen Lebensweise und der neuzeitlichen Technik. Die Wasserstellen von denen das Wasser in die Dörfer geleitet wird, liegen so wie bei uns in den Bergen mitten im Urwald - umwerfende Eindrücke! Bei der Heimfahrt ging uns mitten auf der Strecke der Sprit aus. Wir haben den nächsten LKW aufgehalten und uns aus seinem Tank in 600 ml-Flaschen Diesel abgezapft. Mit 6 l im Tank gings dann wieder flott dahin. Da wars allerdings schon finster. Übrigens waren meine Dienste sehr gefragt. Denn ich habe das vermeintliche Motorproblem gleich erkannt und auch gewusst, wie man einen streikenden Starter wieder auf Vordermann bringt. War ganz schön stolz auf mich. Abends haben wir dann mit Freunden von Kathi gegessen und geplaudert. Um vier Uhr früh hatte ich dann ein kleines Gefecht mit den Mosquitos, das ich vorerst einmal gewonnen habe. Schlafe in Hinkunft nur mehr mit eingeschaltetem Ventilator. Den heutigen Tag verbringe ich in der Nähe von Kathi etwas ruhiger.

10.11.06 21:16, kommentieren



Richtung Simeulue

Der Transfer von Medan/Sumatra zu Kathi's Insel war für einen Mitteleuropäer abenteuerlich. Da ich gewusst habe, dass ich mit einem kleinen Flieger unterwegs sein werde, habe ich extra im Hotel nach dem richtigen Flughafen gefragt. " Nein, nein alles ganz normal" wurde mir an der Rezeption und vom Taxler mitgeteilt. Das Flughafenpersonal am Hauptflughafen in Medan ließ mich auch ohne Probleme nach dem Securitycheck hinein aber dann fand ich keinen zuständigen Checkin-Schalter. Ich wurde an einen noch geschlossenen Schalter verwiesen und wartete eben. 40 Minuten vor Abflugtermin war meine Geduld zu Ende und habe diese trägen Kerle aufgescheucht. Siehe da, auf einmal stellte sich heraus, dass ich am falschen Flughafen war. Also flott wieder hinaus, ein Taxi angeheuert und zum Airforce-Flughafen gedüst. Vor dem Hangar ausgestiegen und mit meinem umfangreichen Gepäck (das meiste für Kathi) zum Checkin: Hinter einer Holzpudel saß eine Angestellte und kontrollierte mein Ticket und der Copilot ließ sich meinen Koffer zur Sicherheit öffnen. Nachdem alles o.k war, konnte ich zuschauen wie mein Koffer in den Kofferraum der kleinen einmotorigen Kiste verladen wurde. Habe mich natürlich in die erste Reihe, gleich hinter den Piloten gezwängt, um ja alles genau zu sehen. Das ist wahrlich ein unmittelbares Fluggefühl! Nach 1:40 Flugzeit quer über den Norden Sumatras landete ich wohlbehalten am einzigen Rollfeld und wurde schon von Kathi's UN-Driver erwartet, der mich zu ihrem Haus brachte. Das Feeling war ungefähr so, als würde ich mit einem Traktor quer über die Äcker rattern. Kathi's Heim ist vergleichsweise höchst komfortabel. Aircondition, feste Mauern, Kühlschrank, Gasherd, mehrere Zimmer, zwei Bäder mit fließendem Wasser (wird aus einem Regenwasser-Becken mit einer Schöpfkelle über den Körper geschüttet). Im grossen Abfluss verschwindet nicht nur das benutzte Wasser sondern auch alle Arten von Ausscheidungen. Praktisch! Alles ist gefliest und  leicht sauber zu halten. Das einzig Fehlende ist die Heizung. Naja, alles kann man nicht haben.
Morgen gibt's Neuigkeiten.
LG Otto
10.10.06 11:50

20.11.06 09:01, kommentieren

Simeulue 3

Die letzten zwei Tage waren nicht so besonders spektakulär - vielleicht weil ich schon fast ein alter Hase bin. Da Kathi derzeit keinen Fahrer hat und selbst nicht fahren darf, haben wir uns ein Motorrad gemietet. Ich bin zum Driver meiner Tochter avanciert. Gestern nachmittags hatte ich dienstfrei und so bin ich auf eigene Faust unterwegs gewesen. Auf diesen Strassen eignet sich ein Bike ohnedies besser. Die Einwohner freuen sich, wenn sie einen Weissen auf dem Motorrad sehen, denn dann sind wir nicht so abgehoben wie in einem klimatisierten Geländewagen. Du frisst den gleichen Staub und wirst genau so nass bei Regen wie sie. Habe nach einer halben Stunde Fahrt einer Eingebung folgend die Mainstreet verlassen und bin auf einen Weg zum Strand eingebogen. Plötzlich lag vor mir eine wundervolle Bucht mit einem schönen Strand. Keine Leute, nur Wasserbüffel, die Abkühlung im Meer suchten. War aber kein Problem, wir haben uns den Strand friedlich geteilt. Nach einem Bad im lauwarmen Wasser und einem ausgedehnten Strandspaziergang bin ich dann wieder zurück gerattert. Habe Kathi vom Büro abgeholt. Abenteuerlich viel Motorradverkehr! Links und rechts tummeln sich unberechenbare Biker, unten lauern tiefe Löcher und hinten fürchtet meine Tochter um ihr junges Leben. Da braucht's eine gewisse Coolness. Abends haben wir gemeinsam mit Freundinnen von Kathi an einer Geburtstagsparty teilgenommen. Die sind alle ganz wild auf österreichischen Schnaps. Heute nacht hat's geschüttet, als hätten sich alle Himmelsschleusen gleichzeitig geöffnet. Unsere Regenwasserbehälter sind übergelaufen. Ausser ein paar schlammigen Lacken war in der Früh nichts mehr zu merken.
Das Wochenende liegt vor uns, bin schon gespannt, was da auf mich zukommt.

20.11.06 09:07, kommentieren

Simeulue 4

Gestern abend haben wir uns mit Kathis Freunden zum Dinner in "Willi's Hotel" getroffen. Nach einer mühseligen Fahrt auf einer Schlaglochpiste kamen wir schon in der Dunkelheit an. Das Gästehaus liegt ganz nahe am Strand und ist aus Teakholz gebaut. Vor den grosszügigen Räumlichkeiten liegt eine überdachte Terasse, natürlich mit Meerblick. Dort wurden für uns Fische gegrillt und andere indonesische Köstlichkeiten serviert. Einfach herrlich bei Temperaturen so um die 25 Grad zu schmausen! Kathi und ich waren vorher noch im bacherlwarmen Meer baden. Da alle anderen verweigerten, war ich etwas verunsichert bezüglich der allfälligen Gefahren. Da war aber kein Stachelrochen, kein Teufelsfisch oder ein Hai - nur fluoriszierendes Plankton unter einem sternenklaren Nachthimmel. Heute steht nur Einkaufen am heimischen Markt (stinkat und dreckig) und Vorbereitung (Chilli con Carne) für eine am Sonntag geplante Bootsfahrt auf dem Programm. Voraussetzung ist gutes Wetter.
Also bis morgen.
LG Otto
14.10.06 06:45

1 Kommentar 20.11.06 09:53, kommentieren

Abschied von Simeulue

Am vergangenen Sonntag hat Kathrin einen Bootsausflug zu einer anderen Insel organisiert und damit meinem Aufenthalt in Simeulue die Krone aufgesetzt. Gemeinsam mit drei Freundinnen von K. gingen wir etwas verspätet im "Hafen" an Bord des Speed-Bootes. Verspätet deswegen, weil die drei an einem anderen Hafen auf uns gewartet haben. Apropos Hafen und an Bord gehen. Ausser dass dort zwei, drei Transportkutter vor Anker an einer vom Erdbeben gewellten Pier liegen erinnert es nur wenig daran. Überall, vor allem im Wasser liegen Unmengen von Abfällen. Der Weg zum Boot führte über versteckte Wege, Stege auf Stelzen und steile Leitern vorbei an einer Lobsterverkaufsbude mit allen möglichen Langusten und Krebsen in den Reusen. Anfangs regnete es noch ein wenig aber bald brach die Sonne durch. Nach einer guten Stunde Fahrt ankerten wir an einem Riff um zu schnorcheln. Wow - ich war zwar nur mit einer Schnorchelbrille ausgerüstet aber das hat vollkommen genügt, um mir eine wunderbare Unterwasserwelt zu eröffnen. Zum Greifen nahe Korallenlandschaften, kleine Höhlen, kleine weisse Sandbuchten und dazwischen bunte Fische, die in dieser Vielfalt einfach faszinierend sind. Wenn ich nicht immer wieder mit meiner undichten Brille Probleme gehabt hätte, wäre ich wohl gar nicht aufgetaucht. Als neuerliche Steigerung kam dann die Landung auf der Insel - wie Robinson! Weisser feiner Sand, jede Menge Kokospalmen und ein türkisblaues Wasser, klar bis zum Grund. Der Freund von Robinson, Freitag, erwartete uns mit Gleichmut am Strand. Wie aus dem Buch entstiegen! Freundlich begrüßte er uns und rauchte eine angebotene Zigarette, um dann wieder im Dschungel zu verschwinden. Nach einem Picknick haben wir uns alle ein angenehmes Plätzchen zum Ausruhen gesucht. Am späten Nachmittag gings dann nach einer neuerlichen Schnorchlerei zurück in den Heimathafen.
17.10.06 12:59

1 Kommentar 20.11.06 10:08, kommentieren

Schluss mit Lustig

Habe gestern in der Früh die Rückreise angetreten. Kommt der Fahrer von K. oder nicht? Er kam, allerdings mit Verspätung und brachte K. und mich über die Rumpelpiste zum "Airport". Mein Koffer war "Susi Air" zu schwer, also musste ich aufzahlen. Aber danach ging's problemlos nach Medan, wo ich vorerst einmal im Hotel übernachten musste. Habe die freie Zeit  genutzt, um mir die Stadt ein wenig anzuschauen. Das geht am besten mit diesen Motorrad-Rikschas. Da kriegt man auch gleich hautnah den unheimlichen Verkehr mit. Trotz der ununterbrochenen Rushhour bleiben alle freundlich, kein Mensch regt sich auf oder wirkt gestresst. Da gibt's was zu lernen. Am Abend ging ich dann mit einer Freundin von K. zum Abendessen, hab mich ein bisschen gefürchtet wegen meiner mangelnden Englisch-Kenntnisse. Ist aber gar nicht so schlecht gegangen. Ja, und heute früh flog ich nach einem Zwischenstopp in Kuala Lumpur nach Bangkok. Da sitze ich jetzt in einer Internet-Bude zwischen spielwütigen Kids. Morgen habe ich einen ganzen Tag Zeit, da werde ich mir noch ein paar Sehenswürdigkeiten rein ziehen. Merkt ihr den Einfluss der Kids? Also ein Eintrag bezüglich meiner Reiseerlebnisse folgt noch, fürchtet euch nicht, wird bestimmt nicht zu lange, ich versprech's.
18.10.06 15:12

1 Kommentar 20.11.06 10:11, kommentieren

Letzter Tag in Bangkok

Nachdem ich im Hotel ausgecheckt  und mein Gepäck der Aufbewahrung übergeben hatte, stürzte ich mich in den morgendlichen Verkehr Bangkoks. Habe mir vorgenommen, nicht mehr so viel für´s Taxi zu bezahlen. Der Gauner wollte dann noch mehr, habe ihm aber dann nur ein Drittel seines Preises bezahlt. Siehe da, er war vollauf zufrieden. Als erstes machte ich mich im Tempelbezirk (Touristenmeile) auf die Suche nach einer Wechselstube, die meine restlichen indonesischen Rupien tauschen sollte. Gar nicht so einfach, die tun so, als wäre die Währung ihres Nachbarn Schwarzgeld. Mit Hilfe eines Tuk Tuk-Fahres habe ich dann doch im Geschäftsviertel eine offizielle Wechselstube gefunden, die mir zu einem schlechten Kurs Thai-Geld für meinen Indonesien-Schrott gegeben hat. Zurück zum Tempelbezirk mietete ich ein Ausflugsboot, das mich zwei Stunden durch die Kanäle der Stadt führte. Toll, was ich da alles zu sehen bekam. Angefangen von monumentalen Tempeln über Villen von offenbar sehr reichen Leuten bis zu einfachsten Bretterbuden der Ärmsten. Aber überall wurde ich freundlich, fast mit kindlicher Freude begrüßt. Leider hat mir der Bootsführer den Floating Market vorenthalten. Den schau ich mir halt das nächste Mal an. Ein Tuk Tuk-Fahrer, der übrigens erstaunlich gut Englisch sprach, bot sich an, mich zum Wat Saket (Goldener Berg) zu führen, von dem sich eine wunderschöne Aussicht über die Stadt eröffnet. Der erstaunlich niedrige Preis für die Fahrt wurde mir erst dann verständlich, als er mich anschließend in Touristengeschäfte für Schmuck und Kleidung führte. War aber nicht so schlimm. Danach drängte ich mich im Touristenstrom durch das Gelände des Königspalastes. Habe es sehr genossen, allein, ohne Reisegruppe, unterwegs zu sein. Da bleibt Zeit, die Bilder, die sich dem staunenden Besucher eröffnen, einwirken zu lassen und den vermeintlich besten Standort für Fotos auszuwählen. Am Ende war ich zwar schon ziemlich ermüdet, aber den Wat Pho musste ich noch besuchen. Der Liegende Buddha hat mich zwar nicht so besonders beeindruckt aber die Tempel-Anlage insgesamt war schon sehr beeindruckend. Habe dort auch die Bekanntschaft einer chinesischen Frau gemacht, die in Bangkok als Obdachlose gestrandet ist. Sie war zwar von ihrem anstrengenden Leben und vom Alkohol gezeichnet, war aber gebildet und sprach auch Englisch. Letztendlich hatte ich doch einige Mühe, sie wieder los zu werden. Voll von Eindrücken beschloss ich noch, den weiten Weg zum Hotel mit einem Tuk Tuk zurück zu legen. Hat sich voll gelohnt! Der Bangkoker Verkehr zur Büroschlusszeit ist einfach ein Hammer. Was sich da alles auf den Straßen an Autos, Motorrädern, Tuk Tuks drängt ist sagenhaft. Das muss einmal mit erlebt haben. Im Hotel erwartete mich noch eine Überraschung. Die hatten dort eigene Räumlichkeiten (Dusche, Sauna, Umkleideraum) wo sich Abreisende frisch machen konnten. So wiederbelebt fuhr ich mit dem Taxi (jetzt noch billiger!) zum neuen gigantisch großen Airport. Nach dem Checkin fand ich zwar im ausgedehnten Dutyfree-Bereich nichts mehr, was sich zu kaufen lohnte. Dafür war´s doppelt interessant, die wartenden Passagiere der Austrian Airlines zu mustern. Mindestens die Hälfte der Wartenden waren allein reisende Männer mit kleinem Gepäck, offensichtlich keine Business Leute. Was die wohl in Bangkok gemacht haben? Eine norwegische Sitznachbarin in der Maschine erzählte mir dann von ihren Erlebnissen im Bangkoker Nachtleben. Offensichtlich ist das vielen Männern eine Reise nach Thailand wert.   

1 Kommentar 20.11.06 11:16, kommentieren